Ex-JPMorgan-MD geht an die Öffentlichkeit: Ihre Ehe war die Hölle
Kathryn Benwell ist nicht mehr Managing Director (MD) bei JPMorgan in London. Sie hat die Bank schon vor über zehn Jahren verlassen, im Oktober 2015. Erst jetzt, elf Jahre später, erzählt Benwell, wie schlecht es ihr damals ging.
Benwell war fast zehn Jahre lang bei JPMorgan in London und wurde dort 2011 MD. Zurvor war sie in der Aufsicht bei der Bank of England und der Financial Services Authority tätig. Als MD bei JPMorgan arbeitete sie im Bereich Risk and Controls und sollte die Governance-Strukturen der rechtlich selbstständigen Gesellschaften der Bank weiterentwickeln.
Ab 2013 war Benwell allerdings in einer Beziehung, in der sie schwer misshandelt wurde. Wir haben für diesen Artikel nicht mit ihr selbst gesprochen und beziehen uns auf einen Bericht auf Channel-4. Hier schildert Benwell, was sie mit dem Mann erlebt hat. Sie ist mittlerweile als selbstständige Expertin für Operational Resilience und Botschafterin einer Hilfsorganisation gegen häusliche Gewalt tätig.
Nach dem Ende ihrer 30-jährigen Ehe meldete sich Benwell mit 47 bei einer Dating-App an. Dort ließ sie sich, wie sie sagt, „von einer Romanze mitreißen“ – von einem 1,93 Meter großen Immobilienentwickler mit blauen Augen, der aussah, als würde er sie beschützen. „Ich wollte einen dominanten Alpha-Typen, zu dem ich aufschauen kann“, sagt Benwell. Ihre Freunde warnten sie vor seiner Gewaltgeschichte gegenüber früheren Partnerinnen, und sogar seine Mutter riet ihr, ihm nicht zu trauen. In beiden Fällen stellte er die Frauen, die sie warnten, als unglaubwürdig dar.
Der Mann, der nicht namentlich genannt wird, zog zu ihr in ein großes neues Haus in Kent, im April 2015 wurde geheiratet. Bereits damals unterstützte sie ihn finanziell – er schien nie Geld zu haben. Ihr Sohn studierte auswärts, ihre Tochter wurde gegen ihren Willen in einem Gästehaus auf dem Grundstück einquartiert. Ihr neuer Ehemann wurde nach und nach immer gewalttätiger. Benwell entschuldigte sein Verhalten ständig, bis er sie schließlich beinahe umbrachte und ihr den Rücken brach. 2023 ging sie endlich zur Polizei. 2024 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt, kam aber nach fünf Monaten wieder frei – Grund waren die überfüllten Haftanstalten.
Auf LinkedIn schreibt Benwell: „Bei der Arbeit lastete der ganze Druck einer globalen Rolle rund um die Uhr auf mir. Zu Hause wollte ich mich bei jemandem entspannen, der sich um mich kümmert – jemandem, der größer ist als ich, stark und dominant, damit ich nicht die Verantwortung tragen musste.“
Anfangs war ihr Peiniger ein Gentleman, sagt Benwell. „Er fuhr mich zum Bahnhof und sorgte dafür, dass ich in der ersten Klasse saß. Er schrieb mir, um sicherzugehen, dass ich einen Platz hatte, und schickte mir liebevolle Emojis auf die Fahrt. Wenn ich zurückkam, stand er mit einem Regenschirm auf dem Bahnsteig, um mich bei Regen zu schützen. Er hielt meine Hand und öffnete mir die Türen. Er fuhr mich überallhin und führte mich nach der Arbeit zum Essen aus.“
In Wahrheit war er ein kontrollierender, gewalttätiger Despot. Mit der Zeit veränderte sich sein Verhalten. Er hörte auf, ihr die Türen zu öffnen, und bekam wegen Kleinigkeiten Wutanfälle. „Ich musste um Punkt 17 Uhr aus Kundenmeetings rennen, um rechtzeitig bei ihm zu sein, sonst war er wütend, weil er warten musste. Wenn ich zu Hause arbeitete, stand er in der Tür und tippte auf seine Uhr, sobald ein Meeting über 17 Uhr hinausging. Ich wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken, wenn er in Teams-Meetings plötzlich hinter mir stand.“
Gegenüber der Daily Mail sagt Benwell: „Das ist einer Managing Director bei JPMorgan passiert. Wer glaubt, dass so etwas hier nicht vorkommt, sollte noch einmal nachdenken. Ich bin das lebende Beispiel für häusliche Gewalt.“
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